Handelsblatt: Sinneswandel bei Immokrediten

15.11.2016

BerlinAls die Empörung bei den Sparkassen hochkochte, warb der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Ulrich Kelber (SPD), um Geduld. „Ich rate dazu, einmal tief zu atmen“, empfahl er Ende August in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Bereits wenige Monate, nachdem die sogenannte Wohnimmobilienkreditrichtlinie am 21. März 2016 in Kraft trat, soll das Immobiliengeschäft einen Dämpfer bekommen haben.

nsbesondere Familien und ältere Kreditnehmer hätten größere Schwierigkeiten, einen Immobilienkredit zu bekommen, klagten beispielsweise die Sparkassen. „Das ist wirklich Unsinn“, so Kelber. Die Bundesregierung habe einen Passus hineinverhandelt, dass die Kreditvergabe an ältere Menschen nicht erschwert werde.

Als die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Bayern Mitte Oktober auf eine Gesetzesänderung pochten, brüstete sie Staatssekretär Thomas Lange mit ähnlichen Argumenten wie Kelber ab. Es gebe keine belastbaren Zahlen.

Nun scheint sich ein Sinneswandel im Verbraucherministerium vollzogen zu haben. „Es darf nicht sein, dass gerade ältere Bankkunden wegen dieser EU-Richtlinie eventuell nur noch schwer einen Kredit erhalten“, sagte Minister Maas der „Rheinischen Post“. Diese nicht erwünschte Wirkung gehöre „schnell abgeschafft“. Im Kern sollen mit dem Gesetz Verbraucher vor zu großen Risiken bei der Immobilienfinanzierung bewahrt und Banken vor potenziell faulen Krediten geschützt werden.

Maas Kehrtwende überrascht. Denn „empirische Daten, eine empirische Evaluation oder gesicherte Erkenntnisse über Kreditvergabe- und Ablehnungszahlen, auch nach Alterskohorten, liegen der Bundesregierung nicht vor“, heißt es in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine aktuelle Anfrage der Grünen. Die Kreditwirtschaft habe bislang keine entsprechenden Informationen vorgelegt.

Quelle: HANDELSBLATT

Artikel bei Handelblatt lesen


Zurück zur Übersicht